Die göttliche Gabe von Schattenseiten des Lebens als Zeichen und Befähigung zu innerer Freiheit
Wir sehnen uns nach Glück, Erfüllung, Dankbarkeit, Respekt, Anerkennung, Würde und Liebe – doch Schmerz, Zorn, Ekel, Hass, Scham, Abscheu, Neid, Missachtung, Verlust und Entwürdigung formen ebenfalls einen gewichtigen Teil des Lebens.
Als Trägerin dieser Erfahrungen entsteht im Dasein ständig die Aufforderung, diese Zustände zuzulassen – so wie sie sind – fürchterlich, abscheulich, qualvoll. Das Wahrnehmen dieser Qualitäten ist insbesondere in einseitiger Perspektive extrem schwierig.
Ein „happy-life“-Prinzip, das vor allem den positiven Bereich anvisiert, kreiert unbewusst im Grunde einem Muster von Mehr, Weiter, Besser und Höher – und flieht häufig die Bereiche des Daseins, die mit Schmerz, Zorn, Ekel, Scham, Hass, Abscheu, Neid, Missachtung und Entwürdigung verbunden sind.
Die Polarität im Leben ermöglicht ein seelisches Gleichgewicht, indem es über Kontraste wirkt.
Ein Überfluss an Konsumgüter verbunden mit einem Mangel an Beziehungsnetzwerken bewirkt auf diese Weise ein stark polares Lebensfeld.
Es scheint die Herausforderung meiner Generation – die von Kindheit an vieles an Nahrung und Konsumgütern bekommen hat – es auf jener Ebene des „happy life-Prinzipes“ GENUG sein zu lassen und bei jedem Schritt diese Grundpolarität des Lebens wahrzunehmen und anzunehmen – wirklich zu erkennen, wieviel bereits DA ist.
Diese Erkenntnis öffnet die Möglichkeit, sich aus innerer Freiheit Selbstpräsent zu jedem Schritt zu entscheiden.
Der innere Ruf nach Entwicklung – und die innere Selbstverantwortung
Wenn etwas äußerlich gut genug ist und in seinem Sein wie es DA ist bedingungslos angenommen ist, braucht es keine Veränderung mehr. Doch würde der Ruf nach Entwicklung aufgegeben werden, wenn äußerlich kein Veränderungsbedarf mehr besteht?
Die ständige Suche und Sehnsucht nach Veränderung und Verwandlung beziehen sich nicht nur auf Äußerlichkeiten, sondern vor allem auf eine innerlich anzunehmende Selbstverantwortung. Die Selbstverantwortung ist ein Urwesensgrund, der sich mit jeder Lebensstufe verwandelt und nicht unbedingt die äußerlich sichtbare Veränderung erfordert. Eine innere, urnatürliche Verwandlung erfolgt oft leise, unbemerkt und mit einer sanften Kraft. Sie ist selbstbewusst, ganz leicht und geht beinahe unbemerkt die einzelnen Schritte des Lebensweges, durchwandert die innigen Prozesse in Innenschau.
Diese Selbstverantwortung befähigt in eine bewusste Beziehungsführung zu sich selbst und zur Umwelt einzutreten. Sie schließt äußere Veränderungen nicht aus, sondern vollendet sie vielmehr aus einer ruhigen, sanften Haltung.
Eine aus dieser Selbstverantwortung heraus gestaltete Beziehungsführung bedeutet, immer wieder neu zum Wesen der Dinge Kontakt aufzunehmen, eine Beziehung zu entwickeln, die sich bewusst für die zwischenmenschlichen Gefahren von Verlust, Vergänglichkeit und damit verbundenen Verletzungen entscheidet; die bewusst eine nachhaltige Beziehung pflegt in einem Kreislauf von Neuschöpfung, Vergebung und Erlösung.
Selbstverantwortlich geführte Beziehungen
Beziehungen und Bindungen sind zu keiner Zeit konstant oder gar bedingungslos gegeben. Unabhängig von Beruf oder Rolle sind Beziehungen und Bindungen ein Feld der Zwischenmenschlichkeit, in welchem wir fortwährend mitschöpfen, miterleben und fühlen.
Es besteht die Möglichkeit alte Muster im ganzheitlichen und vielperspektivischen Bewusstsein so einzubetten, dass sie konstruktiv im Ganzen mitwirken. Begegnungen können in selbstverantwortlich gestalteten Feldern und Räumen Kraftströmungen sein, die wieder vielfältige und nachhaltige Kreislaufsysteme bilden und dem gegenwärtigen Geschehen von sich erschöpfender Einsamkeit eine neue Form von Bindung und Vertrauen schenken.
Dasein in SELBSTVERANTWORTUNG
Die eigene Haltung schafft einen inneren Raum, der in Selbstverantwortung ruht.
In diesem inneren Raum ist alles da, (auch wenn ich es ggf.gerade im Moment nicht wahrnehmen kann). Hier bin ich fähig, meine Emotionale, Physische, Psychische und Spirituelle Lebenswelt im Rahmen meines Bewusstseins (ICH BIN) in Selbstverantwortung anzunehmen. In diesem inneren Raum ist es möglich, sich selbst wieder zu empfangen. Dadurch kann eine vertrauensvolle Ruhe praktiziert werden. Verbunden mit der Klarheit des Bewusstseins können ein inneres Zeiterleben und äußere Zeitbedingungen atmend zueinander finden.
Sich selbst zu spüren bedeutet Zuhause zu sein.
Seit ein immenser Lebenswandel auf allen Ebenen zwischenmenschlicher Schwingungen stattfindet, ist es eine immer feiner werdende Gabe, sich selbst im Wandel wirklich zu spüren. Mit diesem Spüren wird plötzlich deutlich, wann welche Begegnungen und welche Handlungen in der tatsächlichen Lebenswelt noch angesagt und erforderlich sind.
Da alle Bereiche in der einen und anderen Weise und Ebene in Kontakt sind, durchströmen sie wechselwirkend das DASEIN zwischen Innerer Präsenz und Äußerer Welt. Sie offenbaren die Vielfalt der eigenen Lebenswelt, in welchem die Selbstpräsenz sich nach dem eigenen inneren Herzen ausrichtet und sich darüber wahrhaftig für fremde Menschen zu öffnen vermag.
Im DASEIN vertrauensvoll das Leben erleben
DASEIN ermöglicht, den Wandel mit offenen Armen und in sich ruhend zu empfangen. Der Moment innerer Zentrierung fokussiert vor allem die Selbstpräsenz und damit die emotionale, spirituelle, physische und psychische Selbstverantwortung. Sobald sie wieder praktiziert und begonnen wird, ist wieder Kontakt mit dem DASEIN gegeben. Indem die Selbstpräsenz in jeglicher Begegnung wieder mitschwingt, ist das Erleben in Beziehung wieder im Innern MITZUERLEBEN: mit Steinen, mit Pflanzen, mit Tieren, mit Menschen und mit allem, was ist.
Begegnungen sind Möglichkeiten zum Wesentlichen zu finden.
Diese Begegnungen sind Möglichkeiten, immer wieder auf neue Weise zum Wesentlichen zu finden und die vielfältigen Arten der Entwicklungsstufen mitzuerleben und wertzuschätzen. Das Lebensglück und der persönliche Erfolg werden auf dem Weg der bewussten Selbstverantwortung und Beziehungsgestaltung immer weniger über Güter, Zeugnisse o.a. definiert – sie sind in einer sich intensivierenden Verbundenheit mit den Dingen die DA sind erlebbar und erfahrbar. Das Erleben mit allem, was im direkten Lebensfeld da ist und damit bereits im großen Ganzen wirkt und schwingt, ist eine Rückbesinnung des eigenen Seins zur Wurzel.
Ganz bewusst ist es möglich sich dadurch Schritt für Schritt an vermeintlich weniger optimale Umstände, die v.a. durch Äußerlichkeiten definiert werden, zu adaptieren.
Eine Lebensaufgabe
SELBSTVERANTWORTUNG in dem eigenen Leben und in den zwischenmenschlichen Lebensfeldern anzunehmen, erfordert eine sich fortwährend entwickelnde innere Bewusstheit und eine immer neu zu erringende Klarheit in der eigenen Herzenspräsenz.
Es sind die selbstverantwortlich gelebten Beziehungen zum Umfeld und zur Umwelt, die das Leben im Erleben so reich erfüllen.
Das Leben weist mit Spiegelungen im Umfeld auf Gewohnheiten hin und fordert auf sich dem Essenziellen und Wesentlichen zuzuwenden, welches sich in jedem Schritt auf dem Lebensweg auf veränderte Weise zeigt – und häufig erst im Rückblick wahrhaft im Sinn erkannt werden kann.
Künstlerische, musikalische, körperliche und sprachliche Ebenen können begleitende Verbindungs- und Gestaltungsmöglichkeiten schaffen, die den Bewusstheitsprozess selbstverantwortlicher Beziehungsgestaltung im gegenwärtigen Wandel auf körperlicher, emotionaler, spiritueller und mentaler Ebene begleiten. Im Durchwandern der verschiedensten Zustände des Menschseins kann das sich im Wesenskern des Herzens Befindliche mitgestaltet, mitgeformt und erlebbar werden. Das freie Spiel findet in der Lebensvielfalt des Nahumfeldes die Beziehungen, die im Moment möglich sind.
Eine tiefe innere Weisheit des Herzens offenbart sich aus meinem Erleben in jenen Momenten, die spontan, in ehrlicher Hingabe und in authentischer Präsenz ERLEBT sind.